Alex Feuerherdt: „Free Gaza from Hamas!“

Auf der Essener Kundgebung „gegen Antizionismus und Terror“, die am 18. Juli aufgrund antisemitischer Ausschreitungen abgebrochen werden musste (Bericht), hat auch der freie Publizist Alex Feuerherdt gesprochen. Mit seiner freundlichen Genehmigung veröffentlichen wir seinen Redebeitrag hier in voller Länge. 

Haben Sie zu Beginn dieser Woche die Schlagzeilen in deutschen Medien gelesen, nachdem Israel einem Waffenstillstand zugestimmt und die Hamas ihn abgelehnt hat? Zum Beispiel Spiegel Online: »Israel greift wieder Ziele im Gazastreifen an«. Zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung: »Israel droht mit verstärkten Angriffen« und später: »Israel setzt Luftangriffe auf Gazastreifen fort«. Zum Beispiel die Taz: »Israel bombardiert Hamas-Führer«. Zum Beispiel die FAZ: »Netanjahu will Angriffe auf Gazastreifen ausweiten«. Nein, Sie haben sich nicht verhört, dort hieß es wirklich »angreifen«, »drohen«, »bombardieren« und »ausweiten«. Mag es auch fast minütlich Raketenalarm in Israel geben, mögen auch fünf Millionen Israelis unmittelbar davon betroffen sein, mag die Hamas auch noch so oft völlig unverhohlen betonen, dass sie ihre Angriffe nicht einstellen wird und dass ihr Ziel die Vernichtung des jüdischen Staates und seiner Bewohner ist – Israel ist und bleibt für etliche Medien hierzulande trotzdem der Aggressor. Dabei verhielt es sich mit diesem Waffenstillstand exakt so, wie es sich seit Jahren mit solchen Waffenstillständen – auf Englisch: ceasefire – immer verhält: Israel ceases, Hamas fires.

Nun ist in den Medien vermehrt zu lesen, die Opferzahlen auf beiden Seiten seien doch sehr ungleich, die Palästinenser hätten viel mehr Tote zu beklagen als die Israelis, und das Leid ihrer Zivilbevölkerung sei ungleich größer. Doch bei diesem Body Count werden gleich mehrere Tatsachen unterschlagen, und das, obwohl sie allgemein bekannt sind. Erstens: Israel hat ein gut funktionierendes System zur Abwehr der Raketen aus dem Gazastreifen, es heißt „Iron Dome“. Damit werden zahlreiche Geschosse unschädlich gemacht, bevor sie etwas anrichten können. Im Gazastreifen gibt es ein solches Abwehrsystem nicht. Und das nicht, weil die dort herrschende Hamas es sich nicht leisten kann, sondern weil sie es sich nicht leisten will. Bunker gibt es nur für die Hamas-Führer. Gleichzeitig ruft die Hamas die Bevölkerung dazu auf, sich als »menschliche Schutzschilde« auf die Dächer derjenigen Häuser zu begeben, die angegriffen werden. Mit anderen Worten: Israel schützt seine Bürger vor Raketen, die Hamas lässt ihre Raketen von den Bürgern schützen.

Zweitens: Die Hamas bezieht mit Vorliebe in Wohngebieten Stellung und schießt ihre Raketen von dort aus ab. Wenn die israelische Armee daraufhin diese Stellungen angreift, um sie unschädlich zu machen, dann besteht zwangsläufig die Gefahr, dass auch Zivilisten getroffen werden. Um das möglichst zu vermeiden, warnt die Armee die Bevölkerung, beispielsweise mit Flugblättern, Anrufen oder Textnachrichten. Und sie fordert die Bevölkerung auf, ihre Häuser zu verlassen. Keine andere Armee der Welt unternimmt solche Schritte. Die Hamas reagiert darauf, indem sie die Bevölkerung dazu aufruft, die Häuser nicht zu verlassen, und sie, wie gesagt, zu »menschlichen Schutzschilden« macht. Deshalb ist sie für die Toten verantwortlich, nicht Israel.

Drittens: Wenn es heißt, drei Viertel der bislang in diesem Waffengang getöteten rund 200 Palästinenser seien Zivilisten, dann stammt diese Zahl von der Hamas selbst. Trotzdem tun die deutschen Medien so, als sei das eine unanfechtbare Angabe von neutraler Stelle. Dabei ist es doch offensichtlich, welches Interesse die Hamas daran hat, die Zahl der getöteten Zivilisten in die Höhe zu treiben: Auf diese Weise soll die israelische Armee als besonders grausam dargestellt werden, um die Empörung in der Öffentlichkeit zu steigern. Gerne wird dies durch Bilder von toten Kindern untermauert – Bilder, die die Hamas selbst aufgenommen hat. Dass die Hamas darüber hinaus gar keinen Unterschied zwischen Kombattanten und Zivilisten macht, weil für sie alle Palästinenser Kombattanten im »Heiligen Krieg« gegen den »zionistischen Feind« sind – das wird in der Öffentlichkeit erst recht nicht thematisiert.

All dies ist kein Geheimnis, all dies ist sattsam bekannt, all dies kann wissen, wer es wissen will. Wer es dann trotzdem verschweigt, wer Israel trotzdem als Aggressor darstellt oder wer auch nur trotzdem behauptet, beide Seiten seien doch irgendwie gleichermaßen für die Misere verantwortlich – der verdreht Täter und Opfer, der erklärt den jüdischen Staat wahrheitswidrig zum Schuldigen und spricht ihm das Recht auf Selbstverteidigung ab, der denkt und redet und schreibt in der Konsequenz antisemitisch. Und dabei ist es völlig egal, ob er das als Mitglied einer islamistischen Bande, als Angehöriger einer linken Organisation oder als Mitarbeiter eines etablierten deutschen Mediums tut. Israel wird angegriffen, Israel verteidigt sich, und es hat jedes Recht dazu. In diesem Konflikt kann es für jeden Menschen, der auch nur noch ein paar Latten am Zaun hat, nur eine Position geben. Und das ist weder eine Ausgewogenheit noch eine Äquidistanz und schon gar nicht die Verurteilung Israels. Sondern die Parteinahme gegen den Terror der Hamas und für den jüdischen Staat!

Leider fällt die Parteinahme nicht nur hierzulande oft genau umgekehrt aus, und das mit üblen Folgen, wie die vergangenen Tage einmal mehr gezeigt haben. Nur einige Beispiele von vielen: 5. Juli, Wuppertal: Fünf Männer greifen eine Gruppe israelsolidarischer Aktivisten körperlich an. 11. Juli, Dresden: Die Dresdner Synagoge wird auf einer Länge von zehn Metern mit dem Spruch »Stop killing people« beschmiert. 12. Juli, Gelsenkirchen: Hamas-Unterstützer marschieren durch die Innenstadt und skandieren antisemitische Parolen. Ebenfalls 12. Juli, Frankfurt: Gemeinsame Demonstration von Linken, Islamisten und Neonazis mit mehr als 2.000 Teilnehmern. Die Polizei erlaubt einigen Teilnehmern die Nutzung des Lautsprechers eines Mannschaftswagens zum Rufen von Parolen wie »Kindermörder Israel«. 13. Juli, Bremen: Bei einer Pro-Hamas-Demonstration mit rund 150 Teilnehmern gibt es einen Schwerverletzten, der von antiisraelischen Demonstranten geschlagen wird. Die Polizei greift nicht ein. 15. Juli, Kassel: 2.000 israelfeindliche Demonstranten rufen antisemitische Parolen wie »Kindermörder Israel« und beschimpfen die Teilnehmer einer Gegenkundgebung. 17. Juli, Berlin: Mehrere hundert Hamas-Anhänger ziehen durch die Straßen und skandieren eine judenfeindliche Parole nach der anderen. In Paris haben Antisemiten sogar eine Synagoge mit Steinen, Stühlen und Flaschen angegriffen und versucht, die Synagoge zu stürmen. Und was am 10. Juli hier in Essen los gewesen ist, muss ich niemandem mehr erzählen.

Es ist unglaublich, es ist unfassbar, das sagen zu müssen, aber: Juden leben in Deutschland, in Europa wieder in Angst. In Angst vor den Anhängern derjenigen, die auf Israel mit Raketen schießen und die den jüdischen Staat lieber heute als morgen dem Erdboden gleichmachen würden. Die sogenannten Friedens- und Protestdemonstrationen dieser Leute – egal, aus welchem politischen Lager sie kommen – sind nichts anderes als Manifestationen des Hasses, nichts anderes als antisemitische Aufmärsche. Und genau aus diesem Grund stehen wir hier.

In diesem Sinne: Free Gaza from Hamas! Solidarität mit Israel!
Alex Feuerherdt

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